Verband der Lehrerinnen und Lehrer an Wirtschaftsschulen
Landesverband Rheinland-Pfalz
vlw begrüßt Reformformdiskussion zur Lehrerausbildung
Für berufsbildende Schulen aber noch viele offene Fragen
Der vlw begrüßt grundsätzlich die von Prof. Zöllner angeregte Diskussion um eine Reform der Lehrerausbildung in Rheinland-Pfalz, zeigt sich doch vor allem, dass schulpraktische Anteile in vielen Lehramtsstudiengängen früher in das Studium einbezogen werden sollten. Allerdings wird deutlich, dass sich das Konzept zunächst sehr stark auf Anforderungen allgemein bildender Schulen ausrichtet.
Der vlw stellt fest, dass die besonderen Strukturfragen der Lehrerausbildung für den Bereich der berufsbildenden Schulen noch nicht berücksichtigt sind. Dies gilt auch für das spezifische Problem, dass die berufsbildenden Schulen schon seit Jahren große Schwierigkeiten mit der Nachwuchssicherung haben, was auch auf Strukturen der Lehrerausbildung in Rheinland-Pfalz zurück zuführen ist.
Im Folgenden wird deshalb auf diese besonderen Strukturfragen der berufsbildenden Schulen und Fragen der Nachwuchssicherung eingegangen.
1. Studienstruktur
Eine konsekutive Organisation des Lehramtsstudiums mit den Abschlüssen Bachelor und Masters greift im Ansatz auch Reformüberlegungen in fachwissenschaftlichen Bereichen mehrerer Universitäten auf und könnte den Studierenden auch Handlungsfelder außerhalb der Schule eröffnen (Polyvalenz). Für eine Lehrerausbildung für den Bereich Berufsbildende Schulen muss jedoch zunächst mit den fachwissenschaftlichen Fakultäten geklärt werden, ob dort entsprechende Strukturen gegeben oder geplant sind, denn aus Sicht des vlw ist folgendes zu beachten:
Für wirtschaftsberufliche Bildung ist in Mainz der überaus erfolgreiche Diplomstudiengang Wirtschaftspädagogik etabliert, für den die erst 1999 reformierte „Rahmenordnung für die Diplomprüfung im Studiengang Wirtschaftspädagogik“ umgesetzt wird. In diesem Studiengang sind viele Aspekte berücksichtigt, die von Prof. Zöllner in die Diskussion gebracht werden. Dies gilt insbesondere für die polyvalente Ausrichtung des Studiums, den universitären Abschluss als Diplom sowie die Verbindung zwischen Wirtschaftspädagogik als profilgebender pädagogischer Wissenschaft, den Wirtschaftswissenschaften und den anderen Fachwissenschaften. Bundesweit mehr als 10 000 Studierende zeigen den Erfolg.
In dem bisher vorliegenden Konzept ist aus Sicht des vlw jedoch noch unklar, ob das fachwissenschaftliche Studium in der erforderlichen Differenzierung in ein allgemeines Konzept eingebunden werden kann. Ein Studium außerhalb der wirtschaftswissenschaftlichen Bezugswissenschaft ist undenkbar, da es nicht zu den notwendigen beruflichen Kernqualifikationen führen würde. Damit muss zunächst mit der (den) wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät(en) geklärt werden, ob ein Studienangebot auf der Basis Bachelor- in Verbindung mit einem Masters-Abschluss in der erforderlichen Qualität möglich bzw. geplant ist..
2. Fehlende Studiengänge
Rheinland-Pfalz ist bei vielen Fachrichtungen (Beispiele Gesundheitsberufe) mangels landeseigener Ausbildung völlig auf den „Import“ aus anderen Bundesländern angewiesen. Diese Mangelsituation sollte im Zuge dieser Reform reduziert werden. Insbesondere sollten dabei auch länderübergreifende Lösungen erarbeitet werden, die gewährleisten, dass auch nach der Reform in Rheinland-Pfalz Absolventinnen und Absolventen anders strukturierter Studiengänge aus anderen Bundesländern ein attraktiver Übergang in die berufsbildenden Schulen von Rheinland-Pfalz eröffnet wird.
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Wir schlagen deshalb vor, bestehende und erfolgreiche Studiengänge, so vor allem den erst 1999 reformierten Studiengang Wirtschaftspädagogik in Mainz zunächst zu belassen. Gleichzeitig sollten Gespräche geführt werden mit dem Ziel, neue Studiengänge beispielsweise für das Berufsfeld Gesundheit mit den Reformansätzen einzurichten. Ebenso ist zu prüfen, ob entsprechend den Reformansätzen in Trier ein Studiengang für den wirtschaftsberuflichen Bereich eingerichtet werden kann.
3. Verstärkte Schulpraktika während des Studiums
Eine bessere Verzahnung der 1. und 2. Phase der Lehrerausbildung und mehr Schulpraktika bereits während des Studiums wird vom vlw begrüßt, sofern bestimmte Strukturfragen geklärt sind. So sind die Schulpraktika studienbegleitend während der Vorlesungszeiten oder aber in der vorlesungsfreien Zeit zu organisieren. Überlegungen sowohl für ein Praktikumssemester als auch die Einrichtung von speziellen Ausbildungsschulen lehnen wir ab. Dabei ist zu beachten, dass hier erhebliche zusätzliche Aufgaben auf die Schulen zukommen. Dies ist ohne entsprechende Anrechnungsstunden nicht zu leisten.
Zusätzlich gilt für berufsbildende Schulen: Lehrerinnen und Lehrer an berufsbildenden Schulen müssen neben schulischer „Praxis“ unbedingt auch die betriebliche Praxis kennen. Betriebliche Praktika sind unbedingt zu berücksichtigen, dürfen jedoch die Gesamtstudienzeit nicht noch verlängern.
4. Verkürzung des Referendariats
Ungeklärt sind aus Sicht des vlw noch Bedeutung und Aufgaben der Studienseminare. Bei einer Verkürzung des Referendariats auf ein Jahr sind zunächst inhaltliche Fragen zu klären. Selbst wenn diese über eine entsprechende Verlagerung in die erste Phase geklärt werden können, stellen sich Fragen des Laufbahnrechts, die vor einer Bewertung dieses Teils des Vorhabens durch den HPR juristisch zu klären sind - sowohl im Blick auf Rheinland-Pfalz als auch hinsichtlich der Anerkennung von Abschlüssen aus anderen Bundesländern. Es kann schließlich nicht sein, dass in Rheinland-Pfalz ausgebildete Lehrer in ihrer Mobilität eingeschränkt werden und dass Bewerberinnen und Bewerbern aus anderen Bundesländern durch unser neues Ausbildungssystem ein Übergang nach Rheinland-Pfalz schwerer gemacht wird, wie dies jetzt schon bereits der Fall ist.
5. Besondere Abstimmungsprobleme zum Referendariat mit anderen Bundesländern
Zurzeit kommen mehr als 50% der Bewerber in das Referendariat aus anderen Bundesländern. Eine spezifische rheinland-pfälzische Lösung stößt deshalb schnell an Grenzen. Eine Abstimmung innerhalb der KMK mit dem Ziel der gegenseitigen Anerkennung ist deshalb unbedingt zu erreichen. Nicht vermeiden lässt sich jedoch wohl, dass modulare Nachqualifizierungen in den Studienseminaren vorgehalten werden mit der entsprechenden Bindung von Ressourcen..
6. Einstiegsfortbildung für den Berufsanfang
Der vlw befürwortet Überlegungen für eine Einstiegsfortbildung. Allerdings ist eine Abstimmung mit dem Referendariat zu erreichen. Zudem werden bisher keine Aussagen über die Konditionen gemacht. Außerdem dürfen diese Kapazitäten nicht zu Lasten der übrigen Fortbildung gehen.
Der vlw unterstützt die Reformvorstellungen nach einem höheren Anteil der Schulpraxis im Studium und einer stärkeren Verzahnung von 1. und 2. Phase der Lehrerausbildung.
Der vlw fordert jedoch
§ existierende erfolgreiche Studiengänge zunächst beizubehalten,
§ zusätzliche Standort mit gut ausgebauten wirtschaftwissenschaftlichen Fakultäten (vor allem Universität Trier) sind aufzubauen und
§ in den Fachbereichen der berufsbildenden Schulen, in denen für Rheinland-Pfalz noch keine Studiengänge existieren, wie beispielsweise für die Gesundheitsberufe, mit Reformkonzepten zu beginnen.
Es ist auf Dauer nicht zu verantworten, dass wir in einem derart großen Umfang auf den „Import“ aus anderen Bundesländern angewiesen sind, was ständig zu Problemen in der Nachwuchssicherung führt.
Ludwigshafen, im September 2002