Lehrergesundheit
Der überwiegende Teil der rheinland-pfälzischen Lehrerinnen und Lehrer erreicht nicht die Pensionierungsgrenze. Der Anteil der Frühpensionierungen stieg von 1997 mit über 50% auf 72,5% im Jahre 2000.
Im März 2001 wurde von dem damaligen MBWW ein Projekt zum Thema Lehrergesundheit ins Leben gerufen. Der Leiter dieser unabhängigen Projektgruppe ist Herr Psych. Dir. Helmut Heyse. Der VLW bietet zu diesem Thema eine Fortbildungsveranstaltung an. Diese eintägige Veranstaltung findet am 02.Mai 2002 in Emmelshausen statt. Herr Psych. Dir. Helmut Heyse wird der VLW-Fortbildung ebenfalls beiwohnen.
Der VLW begrüßt, dass der Dienstherr seiner Fürsorgepflicht nachkommt und sich um den Gesundheitszustand seiner Lehrkräfte kümmert. Es dürfen aber nicht nur die Symptome behandelt werden, sondern es müssen die Ursachen bekämpft werden. Die Symptome, die den Gesundheitszustand der rheinland-pfälzischen Lehrerinnen und Lehrer beeinflussen sind bekannt, z.B. große Klassen, verhaltensauffällige Schülerinnen und Schüler usw.
Es wäre interessant, die Anzahl der Frühpensionierungen aus früheren Jahren mit der jetzigen Entwicklung zu vergleichen. Anhand dieses Vergleiches könnte festgestellt werden, welche zusätzlichen Belastungen auf die Kolleginnen und Kollegen hinzugekommen sind. Es sollen hier nur einige genannt werden:
Die Ursachen, die zu einem dringenden Handlungsbedarf in Sachen Lehrergesundheit führen, sind nicht "Gott gegeben", sondern Fehler im System. Zu der Fürsorgepflicht des Dienstherrn gehört es auch, dass Systemfehler behoben werden. Die Kolleginnen und Kollegen werden durch den täglichen Dienst sehr belastet und sind ausgebrannt.
Welche Möglichkeiten hat eine Kollegin oder ein Kollegen denn, um die Pensionsgrenze zu erreichen? Eine frühzeitige Pensionierung führt - jetzt besonders durch die Absenkung der Pension von 75% auf 71,75% - zu erheblichen finanziellen Einbußen.
Die zusätzlichen Belastungen des Dienstherrn führen zwangsläufig dazu, dass das zusätzliche Engagement der Kolleginnen und Kollegen zurückgefahren wird. Die Kolleginnen und Kollegen "machen Dienst nach Vorschrift". Aber gerade unser Beruf lebt vom persönlichen Einsatz der Lehrkräfte vor Ort. Die Tätigkeiten, die eine Lehrkraft ausführt, lassen sich nicht mit der Stoppuhr festhalten. Das Deputat von 24 U-Std. in der Woche ist das einzig messbare Merkmal in der Arbeitszeit der Lehrerinnen und Lehrer. Wobei die Belastungen sehr stark von der Klasse und den Klassengrößen abhängen.
Im Sinne von Qualitätsmanagement sollten Fehler im System behoben, bzw. deren Ursachen bekämpft werden. Es ist sowohl medizinisch wie ökonomisch nicht sinnvoll, dass auf Kosten der Gesundheit der Lehrkräfte ein System aufgebaut wird, um anschließend die Dienstfähigkeit auf Kosten des Dienstherrn wieder herzustellen. Diese Vorgehen erinnert an das Beispiel vom Kind, dass in den Brunnen gefallen ist. Die zusätzlichen Belastungen führen zwangsläufig zu Frühpensionierungen, oder dazu, dass die Lehrkräfte sich zurückziehen. Letzteres darf sowohl von Seiten des Dienstherrn, als auch von Seiten der Kolleginnen und Kollegen nicht eintreten. Bleibt dann nur noch die Möglichkeit, dass die Kolleginnen und Kollegen sich weiterhin sehr stark engagieren. Ist die Kollegin oder der Kollege dann nach ca. 25 Dienstjahren verheizt, wird er frühpensioniert. Dieses Umgehen mit dem Produktionsfaktor Arbeit wirft allerdings die Frage auf, welche Auswirkungen haben Frühpensionierungen im Berufsbildenden Bereich auf die Gesamtwirtschaft?
Da das Ministerium an einer ernsthaften und für alle Beteiligten zufriedenstellenden Lösung interessiert sein sollte, sind neben den Symptomen auch die Ursachen zu bekämpfen. Allerdings liegt es wohl an der Menschheit, dass meistens erst die Symptome bekämpft werden, bevor es an die Beseitigung der Ursachen geht. Deshalb lässt das Projekt Lehrergesundheit und die Fortbildungsveranstaltung des VLW am 02. Mai in Emmelshausen hoffen. Vielleicht kann diese VLW-Veranstaltung ein Stück dazu beitragen, dass das Berufsbild der Lehrerinnen und Lehrer und die Belastungen der Kolleginnen und Kollegen neu überdacht werden. Das Thema Lehrergesundheit ist nicht nur aus medizinischer Sicht zu betrachten. Der Arbeitsplatz und die Arbeitsbelastung müssen betrachtet werden. Desweiteren müssen von Seiten des Dienstherrn und von Seiten der Kolleginnen und Kollegen tragfähige Lösungen angestrebt werden. Der erste Schritt in die richtige Richtung ist vollzogen. Jetzt müssen sich nur alle Beteiligten auf den Weg nach Emmelshausen begeben.